Борис Слуцкий
Кёльнская яма

 

Weitere Gedichte von Борис Слуцкий findet man unter http://www.litera.ru/stixiya/authors/sluckij/menu-date.html

Interessante Information zu den geschichtlichen Hintergründen findet man (in Deutsch) unter http://www.hagalil.com/01/de/Europa.php?itemid=430 

Laut diesem Bericht handelt es sich bei der „Kölner Grube“ um ein in der Ukraine gelegenes Lager für sowjetische Kriegsgefangene zur Zeit des zweiten Weltkriegs. Über die Zuordnung jener Grube zur Stadt Köln wird herumgerätselt. Meiner Vermutung nach hat das nicht so direkt mit dieser konkreten Stadt zu tun; vielmehr ist es der zufällig gewählte Name irgendeiner deutschen Stadt, die – pars pro toto – für ganz Deutschland steht (immerhin wurden diese 70.000 Menschen durch Deutsche in dieser Grube zusammengepfercht). Und die Tag für Tag in diese Grube hineingeschubsten Pferde lassen weiter vermuten, daß nicht einmal so ganz zufällig gewählt: Bei schludriger Aussprache nämlich erinnert das «Кельнская яма» (Kölner Grube) an ein schludrig ausgesprochenes «конская яма» (Pferdegrube).

 Im Weiteren denn das Gedicht mit kommentierter möglichst wortwörtlicher Übersetzung. Die Kommentare wurden in Endnoten verfrachtet.

Übersetzung und Kommentare: Raymond Zoller, vondorten@gmx.net

 

 

Кёльнская яма

Die Kölner Grube

Нас было семьдесят тысяч пленных

Wir waren 70.000 Gefangene

В большом овраге с крутыми краями.

In einer großen Schlucht mit steilen Rändern

Лежим

Wir liegen

безмолвно и дерзновенно,

schweigend und trotzig,

Мрём с голодухи[1]

Verrecken vor Hunger

в Кёльнской яме.

In der Kölner Grube.

 

 

Над краем оврага утоптана площадь -

Über dem Rand des Abgrunds ist getrampelt ein Platz

До самого края[2] спускается криво.

Bis direkt an den Rand senkt er sich schief.

Раз в день

Einmal am Tag

на площадь

Auf den Platz

выводят лошадь,

führen sie ein Pferd,

Живую

Lebend

сталкивают с обрыва.

Stoßen sie es vom Abhang.

 

 

Пока она свергается в яму,

Während es fällt in die Grube,

Пока её делим на доли

Während wir es teilen in Teile

неравно,

ungleich

Пока по конине молотим зубами,-

Während wir über das Pferdefleisch dreschen mit den Zähnen, -

О бюргеры Кёльна,

Oh, Bürger Kölns,

да будет вам срамно!

Es sei euch zur Schande!

О граждане[3] Кёльна, как же так?

Oh Bürger Kölns, wie ist denn das möglich?

Вы, трезвые, честные, где же вы были,

Ihr, nüchterne, ehrsame, wo wart ihr denn,

Когда, зеленее, чем медный пятак[4],

als, grüner als ein kupfernes Fünfkopekenstück

Мы в Кёльнской яме

Wir in der Kölner Grube

с голоду выли?

Vor Hunger heulten?

Собрав свои последние силы,

Gesammelt habend unsere letzten Kräfte,

Мы выскребли надпись на стенке отвесной,

wir ritzten eine Inschrift in die steile Wand,

Короткую надпись над нашей могилой -

Eine kurze Inschrift über unserem Grab -

Письмо

Einen Brief

солдату Страны Советской.

An einen Soldaten des Sowjetischen Landes.

 

 

"Товарищ боец, остановись над нами,

„Genosse Kämpfer, bleib stehen über uns,

Над нами, над нами, над белыми костями.

über uns, über uns, über den weißen Knochen.

Нас было семьдесят тысяч пленных,

Wir waren 70.000 Gefangene,

Мы пали за родину в Кёльнской яме!"

Wir fielen für die Heimat in der Kölner Grube!“

Когда в подлецы[5] вербовать нас хотели,

Als zu den Schurken sie anwerben uns wollten,

Когда нам о хлебе кричали с оврага,

Als man uns vom Brot schrie aus der Schlucht,

Когда патефоны о женщинах пели,

als die Grammophone von Frauen sangen,

Партийцы шептали: "Ни шагу, ни шагу...[6]"

Die Parteileute flüsterten: „keinen Schritt, keinen Schritt…“

 

 

Читайте надпись над нашей могилой!

Lest die Aufschrift über unserem Grab!

Да будем достойны посмертной славы!

Seien wir würdig nachtodlichen Ruhmes!

А если кто больше терпеть не в силах,

Und wenn jemand nicht mehr auszuhalten bei Kräften ist

Партком разрешает самоубийство слабым.

Das Parteikomittee erlaubt den Selbstmord den Schwachen.

 

 

О вы, кто наши души живые

Ach ihr, die unsere lebendigen Seelen

Хотели купить за похлёбку с кашей,

wolltet kaufen Suppe mit Kascha,

Смотрите, как, мясо с ладони выев,

Schaut, wie, das Fleisch von den Handflächen genagt habend

Кончают жизнь товарищи наши!

Enden das Leben unsere Genossen!

 

 

Землю роем,

Die Erde wühlen wir,

скребём ногтями,

kratzen mit den Fingernägeln,

Стоном стонем

In Stöhnen stöhnen wir

в Кёльнской яме,

in der Kölner Grube,

Но всё остаётся - как было, как было!-

Doch alles bleibt – wie es war, wie es war! -

Каша с вами, а души с нами.

Die Kascha mit euch, und die Seelen mit uns.

 

Борис Слуцкий

Кёльнская яма

 Нас было семьдесят тысяч пленных

В большом овраге с крутыми краями.

Лежим

безмолвно и дерзновенно,

Мрём с голодухи

в Кёльнской яме.

 

Над краем оврага утоптана площадь -

До самого края спускается криво.

Раз в день

на площадь

выводят лошадь,

Живую

сталкивают с обрыва.

 

Пока она свергается в яму,

Пока её делим на доли

неравно,

Пока по конине молотим зубами,-

О бюргеры Кёльна,

да будет вам срамно!

О граждане Кёльна, как же так?

Вы, трезвые, честные, где же вы были,

Когда, зеленее, чем медный пятак,

Мы в Кёльнской яме

с голоду выли?

Собрав свои последние силы,

Мы выскребли надпись на стенке отвесной,

Короткую надпись над нашей могилой -

Письмо

солдату Страны Советской.

 

"Товарищ боец, остановись над нами,

Над нами, над нами, над белыми костями.

Нас было семьдесят тысяч пленных,

Мы пали за родину в Кёльнской яме!"

 

Когда в подлецы вербовать нас хотели,

Когда нам о хлебе кричали с оврага,

Когда патефоны о женщинах пели,

Партийцы шептали: "Ни шагу, ни шагу... "

 

Читайте надпись над нашей могилой!

Да будем достойны посмертной славы!

А если кто больше терпеть не в силах,

Партком разрешает самоубийство слабым.

 

О вы, кто наши души живые

Хотели купить за похлёбку с кашей,

Смотрите, как, мясо с ладони выев,

Кончают жизнь товарищи наши!

 

Землю роем,

скребём ногтями,

Стоном стонем

в Кёльнской яме,

Но всё остаётся - как было, как было!-

Каша с вами, а души с нами.


 

[1] Мрём с голодухиМрём; Infinitiv: мереть – (in Massen) sterben, verrecken. С голодухи – vor Hunger (das Substantiv голодуха trifft man außer in dieser Redewendung kaum an).

Möglicherweise in bewußter Anlehnung an die Zeile «Мрёт в наши дни с голодухи рабочий» - „Es verreckt in unseren Tagen vor Hunger der Arbeiter“ - aus dem Revolutionslied Warschwyanka, das man in der aus der Revolution hervorgegangenen Sowjetunion – als eine der vielen sekundären „Nationalhymnen“ sehr häufig zu hören bekam und wo dem „vor Hunger verrecken“ eine gewisse Nuance verkitschten Heldentums anhaftete: eine ironische Beschwörung eben dieses verkitschten Heldentums.

[2] До самого края – „bis zum Rand selbst“; bis direkt an den Rand

[3] Бюргер, гражданин – Beides in Deutsch „Bürger“. Ersterem haftet im allgemeinen Sprachgebrauch – und so auch hier – eine leicht ironische Nuance deutscher „Bürgergemütlichkeit“ an; und in diese Gemütlichkeit platzt der Dichter hinein mit der Frage: Schämt ihr euch denn nicht? Zur Schande gereiche euch das! – Und im Weiteren dann, hochoffiziell, das russische Wort «Гражданин», wo der Dichter als Richter den aus ihrem Schlaf aufgeschreckten «бюргерам» nunmehr als strafmündigen «гражданам» die Frage stellt: Was habt ihr euch denn dabei gedacht?

[4] Пятак – Münze mit 5 Einheiten an Wert (je nachdem: Rubel, Kopeken usw…)

[5] Подлецы – Schurken. Gemeint: anwerben zur Zusammenarbeit mit den Deutschen. – Als подлецы wurden im sowjetischen Jargon (der solche wertende Etiketten liebte) diejenigen bezeichnet, die sich anwerben ließen (nebenbei bemerkt, war das Problem der Kollaboration in der Sowjetunion wesentlich komplizierter als in den westlichen Staaten. Westliche Kollaborateure kollaborierten aus Dummheit, Karrierestreben und sonstigen Kleinkariertheiten heraus. Zweifellos spielten diese Faktoren auch bei vielen sowjetischen Kollaborateuren eine Rolle; doch in diesem Falle handelte es sich um den Konflikt zwischen zwei verbrecherischen Regimes; und da ließen besonders wachere Zeitgenossen sich anfangs zur Kollaboration hinreißen, da sie entweder den verbrecherischen Charakter des Naziregimes nicht sofort durchschauten, oder weil sie davon ausgingen, daß es wohl weniger schlimm sein wird als die jahrelang am eigenen Leibe ausprobierten Wohltaten des Sowjetregimes. Oder auch weil sie mehr oder weniger bewußt – wie etwa Wlassow, dem man wohl kaum mit dem vereinfachenden Etikett «подлец» gerecht wird – die einen Verbrecher gegen die andern ausspielen und den Teufel mit Beelzebub austreiben wollten.

[6] Hinter den drei Punkten, zu denen sich drohend das «ни шагу, ни шагу…» hinsteigert, vermutet man das unaussprechbar schreckliche «назад», „zurück". – «Ни шагу назад!», „Keinen Schritt zurück“ – ein in den verschiedensten Zusammenhängen häufig anzutreffender Ausspruch.

 


______________________

Als Word-Datei (zip 19 KB)


eXTReMe Tracker