
(russisches Volkslied; bzw. Lied von strittiger Herkunft. Laut einem hier zu findenden - russischsprachigen - Artikel wurde es 1954 von einer gewissen Maria Morosowa verfaßt; andere sagen was anderes; und was stimmt - weiß ich nicht. Halten wir zunächst einfach mal fest, daß es da ist; ganz egal, wo es herkommt)
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Am besten: Zuerst den Text mit der kommentierten Wortwörtlichübersetzung durchgehen, und anschließend den zum Schluß wiedergegebenen unkommentierten Text. Und, wenn griffbereit: Sich das Lied anhören.
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Für Leser, die sich noch nicht in die russische Sprache eingearbeitet haben, seien zur Verständniserleichterung ein paar Punkte hervorgehoben, in denen das Deutsche sich vom Russischen unterscheidet. (natürlich gibt es noch viel mehr, als hier aufgelistet ist; die russische Akademiegrammatik zum Beispiel umfaßt zwei dicke großformatige Bände; doch soll uns das zunächst mal weiter nicht beunruhigen)
§ Das Russische kennt keinen Artikel, weder bestimmten noch unbestimmten. Das Krokodil: Крокодил. – Ein Stuhl: Стул
§ Die Vergangenheitsform der Verben endet in den meisten Fällen auf л mit, je nachdem, einem nachfolgenden Vokal. Die Endung ist nicht, wie im Deutschen, durch die Person bestimmt (ich erzählte, du erzähltest, sie erzählten), sondern durch Geschlecht und Zahl. In der Mehrzahl endet die Endung immer auf –ли: рассказывали – wir, ihr, sie erzählten; in der Einzahl bei männlichem Subjekt einfach –л [oder – verhältnismäßig selten – auch sonstiger Konsonant; z.B: стерёг – bewachte], bei weiblichem Subjekt –ла, bei sächlichem Subjekt –ло.
§ Das Russische kennt keine zusammengesetzten Vergangenheitsformen in der Art des deutschen Perfekt oder Plusquamperfekt.
§ Die russische Entsprechung für das deutsche Verb sein ist das Verb быть. Dieses Verb wird allerdings nur für die Vergangenheit (я был – ich war) und für die Zukunft (я буду – ich werde sein) gebraucht; die Gegenwartsform ist im heutigen Russischen nicht gebräuchlich. In Aussagen der Art wie „Das Leben ist schön“ oder „Mein Onkel ist ein Räuber“ folgt das Subjekt einfach auf das Prädikat, oder, unter Umständen, setzt man einen Gedankenstrich dazwischen: «Жизнь хороша»; «Мой дядя – бандит».
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Ой, мороз-мороз, не морозь меня, Не морозь меня, моего коня. Не морозь меня, моего коня. |
Ach, Frost, Frost, froste mich nicht[1] Froste mich nicht, mein Pferd[2] Froste mich nicht, mein Pferd |
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Не морозь меня, моего коня, Моего коня белогривого, |
Froste mich nicht, mein Pferd, mein weißmähniges Pferd |
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Моего коня, белогривого, У меня жена, ох, ревнивая. |
Mein weißmähniges Pferd, Meine Frau ist, ach, eifersüchtig[3] |
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У меня жена, ох, красавица, Ждёт меня домой, ждёт-печалится. |
Meine Frau ist, ach, eine Schönheit, wartet, daß ich nach Hause komme[4] wartet, leidet |
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Как приду домой на закате дня, Обниму жену, напою коня. |
Wenn ich komme nach Hause an der Dämmerung des Tages Ich umarme die Frau, tränke das Pferd |
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Обниму жену, напою коня. Ты, мороз-мороз, не морозь меня |
Ich umarme die Frau, tränke das Pferd Du, Frost, Frost, Froste mich nicht |
Kommentierte Übersetzung: Raymond Zoller rzoller@klamurke.com
Ой, мороз-мороз, не морозь меня,
Не морозь меня, моего коня.
Не морозь меня, моего коня.
Не морозь меня, моего коня,
Моего коня белогривого,
Моего коня, белогривого,
У меня жена, ох, ревнивая.
У меня жена, ох, красавица,
Ждёт меня домой, ждёт-печалится.
Как приду домой на закате дня,
Обниму жену, напою коня.
Обниму жену, напою коня.
Ты, мороз-мороз, не морозь меня
[1] Мороз – der Frost. Морозь – Befehlsform von морозить (frieren machen; hab ich der Kürze halber mit „frosten“ übersetzt). Freier übersetzt könnte das «не морозь меня» im Deutschen also lauten: Mach mich nicht frieren, oder, näher am Hochdeutschen: Laß mich nicht frieren.
[2] Im Deutschen müßte der Deutlichkeit halber statt des Kommas hier eigentlich „und“ stehen: Froste mich nicht und mein Pferd; der Wortwörtlichkeit zuliebe hielt ich die russische Satzstruktur bei
[3] У меня жена, ох, ревнивая – kann für zwei in leichter Nuance sich voneinander unterscheidende Bedeutungen stehen: „Ich habe eine Frau, ach, eine eifersüchtige“; oder „Meine Frau ist, ach, eifersüchtig“ [gründlicheres Herausarbeiten der Nuance würde, wir mir während des Schreibens auffiel, zu weit führen; lassen wir es mal dabei bewenden]
[4] Ждёт меня домой – Домой: nach Hause. Das deutsche „nach“ (als Richtung) kann normalerweise nur dann verwendet werden, wenn man das Ziel von außen her im Auge hat: Я иду домой – ich gehe nach Hause. Wird vom Ziel aus gesprochen – ждет меня домой – muß man umschreiben: sie wartet, daß ich nach Hause komme.
Vergleiche einen ähnlichen Satz mit дома (zu Hause): Она ждет меня дома – Sie erwartet mich zu Hause: Sie hält sich zu Hause auf und wartet, daß ich auch dort auftauche.
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